Unsere Zunft heute
 

Unsere Zunft hält die alten Traditionen aufrecht, indem sich ihre Aktivitäten über das Zunftjahr verteilt am Wasser und seinen Produkten orientieren. Entsprechend der schwindenden Bedeutung von Fischerei und Wassertransport als Wirtschaftsfaktoren finden sich bei uns heute kaum noch Berufsleute einschlägiger Ausrichtung. In der Freizeit hingegen werden Wassersportarten wie Rudern, Segeln, Windsurfen und Tauchen bis hin zu Barfusswasserskifahren rege gepflegt. Alljährlich findet im Mai ein Schiffleuten-Törn im Mittelmeer statt, der neben der Hebung nautischer Kenntnisse vorab der Pflege der Freundschaft dient.

 

Unsere Verbundenheit mit der Fischerei zeigt sich neben dem traditionellen Fischessen im Januar besonders auch am Sechseläuten. Im Umzug tragen wir immer zwei kapitale Hechte mit, welche dann am folgenden Mittwochabend bei fröhlichem Mahle von den Zünftern verspiesen werden. Das Hechtmahl bildet nach dem Nachsechseläuten vom Dienstag den endgültigen Schluss unseres Zunftjahres  und ist einer der ungezwungensten Anlässe im Kalender. Neben den Zugpferden werden zwei Saumrosse mitgeführt. Trotzdem wir in unseren Reihen einige aktive Reiter zählen, haben wir keine eigentliche Reitergruppe mehr. Dieser Brauch wurde in den Zwanziger Jahren nach einem schweren Unfall eingestellt.

 

Alle drei Jahre, so auch letztmals 2014, organisiert unsere Zunft zusammen mit dem Limmat Club Zürich im Geviert vor dem Storchen ein Schifferstechen. Diese Art von Turnieren zu Wasser wurde im Mittelalter in ganz Europa auf Flüssen, Seen und in Meerhäfen durchgeführt, oft in voller Rüstung und mit blanken Waffen. Die heutige Form der Austragung ist rein sportlich-folkloristischer Natur, wobei Zünfte und Constaffel je einen kostümierten Stecher stellen dürfen. Am Ende eines Ausscheidungsverfahrens nach dem Cup-System bleibt ein stolzer Sieger übrig. Dieser spektakuläre Anlass zwischen der Münster- und Rathausbrücke wird regelmässig von einem bestgelaunten Publikum verfolgt. Schifferstechen gibt es in ähnlicher Form wie bei uns heute noch verbreitet in Frankreich und seltener in Deutschland.

 

Alle zehn Jahre veranstalten wir eine Fahrt in Langschiffen nach Strassburg. Mitorganisatoren sind im Turnus der Limmat Club Zürich, die Schützengesellschaft der Stadt Zürich, die Gesellschaft der Bogenschützen und die Stadtmusik Zürich. Die Fahrt gilt der Erinnerung an die Hirsebreifahrt vom 20. Juni 1576, als die Zürcher Schützen in Strassburg ein grosses Freischiessen besuchten. Um zu betonen, dass sie auch in den Wirren der Burgunderkriege zuverlässige und einsatzfähige Verbündete waren, legten sie die Strecke in einem Tag zurück. Zum Beweis brachten sie einen Topf voll Hirsebrei mit, welcher bei der Ankunft noch so heiss war, dass sich die Strassburger beim Essen die Lefzen verbrenneten. Heutzutage dauert die Fahrt wegen der vielen Wehre, Staumauern und Schleusen wesentlich länger. Die dadurch entstehenden Pausen werden fleissig genutzt, um mit den Anrainern teilweise seit  Jahrzehnten bestehende Kontakte zu pflegen. Die feierliche Einfahrt auf der Ill in Strassburg  ist ein Volksfest mit grosser Beteiligung von Behörden, Gesellschaften und Bevölkerung. Ein Umzug und anschliessende Bankette beschliessen den Ankunftstag. Am Sonntag runden ein Schiessen und ein Schifferstechen dieses anstrengende, aber unvergessliche Unternehmen ab.

 

Wir Schiffleute treffen uns neben den Hauptanlässen Sechseläuten, Martinimahl und Fischessen monatlich zum Bott, einem Abendessen mit anschliessendem Vortrag. Im März beendet das Hauptbott, die Generalversammlung, diesen Turnus. Im Frühsommer findet ein Ausflug mit Frauen, Kindern und Partnerinnen statt. Seit dem Jahr 2000 halten wir unsere Aktivitäten in einer zunfteigenen Zeitung, der Ankerchette fest. Sie erscheint jährlich zu Martini und soll, als Gegenstück  zu den formellen Protokollen, unser Zunftleben aus der Sicht der Teilnehmer für die Teilnehmer in Erinnerung halten. Damit schaffen wir zusätzlich eine Verbindung zu Daheimgebliebenen und Zünfterswitwen, aber auch über den Kreis der Schiffleute hinaus zu befreundeten Zünften und Gesellschaften.

 

Unsere Satzungen erwähnen auch eine Art Jungzünfter, Stubengesellen genannt. Es sind dies in der Regel Zünfterssöhne, welche ab dem 16. Lebensjahr Mitglieder der Zunft werden können, wenn auch nur mit beschränkten Rechten. Sie entwickeln ihre eigenen Aktivitäten, Darbietungen an Zunftanlässen und helfen dem Stubenmeister beim Dekorieren und Aufräumen der Stube. Am Martinimahl wirken sie als Schankburschen. Aus dieser gemeinsamen Stubengesellenzeit entstehen immer wieder lebenslange Freundschaften. Die Vielfalt dieser regelmässig wiederkehrenden Anlässe erhebt unsere Zunft vom reinen Verein zu einer echten Lebensverbindung.