Geschichte der Schiffleute

 

Am 16. Juli 1336 wurden in der seit 1218 freien Reichsstadt Zürich die Zünfte im Ersten Geschworenen Brief in den Verfassungsrang erhoben. Vorher waren sie unter Strafandrohung verboten. Die Fischer und Schiffer bildeten eine gemeinsame Zunft mit den Karrern (Fuhrleute), Seilern und Tregeln (Träger, Dienstmänner und Boten). So wurden Handwerker mit verwandter Ausrichtung im Lebensmittel- und Transportsektor zusammengefasst, ergänzt durch die Zulieferbetriebe der Seiler. Ihnen oblag die Fischerei sowie der Personen- und Warenverkehr auf dem See und auf der Limmat. Sie bedienten demnach einen wichtigen Abschnitt der Routen über Splügen und Gotthard. Dazu kam, noch lange über die Reformation hinaus, die einträgliche Beförderung von Pilgern, vor allem nach Einsiedeln. Zeitweise trennten sich die Schiffleute von den Fischern. Erst 1498 tagten sie wieder in einer gemeinsamen Stube.

 

Bereits 1336 bestanden die Eynunge der Vischer in dem nideren Wasser (Limmat) und die Eynunge der Vischer in dem oberen Wasser (See). Sie bildeten dann mit den Obgenannten eine Zunft.

 

1447 erhielt die Zunft von Friedrich III. das Privileg, über Limmat, Aare und den Rhein Personen und Waren bis zur Mündung in die Nordsee ohne Zölle und Abgaben zu befördern. Die Limmat wurde zu diesem Zweck zur Reichs-Strasse erklärt, damit der Vischer Stras geöffnet werde.

 

Schon der Wegfall vieler Fastentage nach der Reformation, vor allem aber später die Konkurrenz durch die Eisenbahn schränkten die Berufsmöglichkeiten von Fischern und Schiffleuten erheblich ein. So kamen vermehrt branchenfremde Bürger in die Zunft, die sich von hier aus Chancen auf eine politische Laufbahn versprachen.

 

Die staatsrechtlichen und politischen Umwälzungen nach dem Einmarsch der Franzosen im Jahre 1798 brachten zwar die Abschaffung der alten Ordnung. Sie bedeuteten indessen nicht das Ende der Zunft als gesellschaftliche, traditionsbewusste Vereinigung.